Kategorie-Archiv: Sonstiges

…und noch ein Mix zu „Bring Back The Funk“

Der Kollege DocB hat sich im fernen Schweden ebenfalls an den Spuren der zweiten Episode versucht und dazu auch ein paar Worte geschrieben. Vielen Dank!

Audio:

Basics

Keine Frage, der Song ist einfach tierisch – und katapultiert mich emotional in das Vinylzeitalter. Mit meinem Mix wollte ich das einfangen, aber dem Song auch einen neuzeitlichen Touch verleihen: Druck und Punch. Info: ich mische sehr leise auf NS-10 M ohne Sub, kein outboard gear.

Subtractive EQ.

Als Erstes habe ich den einzelnen Tracks mit ein wenig subtractive EQing die „Nasen“ entzogen. Das schafft meines Erachtens nach ein harmonischeres Klangbild, da es unstimmige Frequenzen entfernt und somit die für den Gesamtmix mehr wertvollen Frequenzbestandteile in den Vordergrund stellt. Hier höre ich mir die zu bearbeitenden Spuren immer im Kontext an. Dies ist mir besonders wichtig beim Setzen von Low-cuts oder High-pass filtern.

Kompression.

Nachdem ich alle Spuren aufgemacht und ein ungefähres Level-Verhältnis gesetzt habe, widme ich mich der Kompression. Der Bass ist für mich ganz klar der Star in diesem Song und sollte mit dem Synthbass zu einer Einheit verschmelzen. Hier komprimiere ich die Bass Spuren einzeln mit relativ viel Attack- und kurzen Release Zeiten (so um 3db GR). Dann route ich alle Bässe (analog und Synth) auf einen Bus und komprimiere diesen noch einmal, bis die richtige Schmelze eintritt.

Ebenso komprimiere ich alle Drum Tracks (ausser Overheads) und schicke die Drums in einen Bus, den ich sehr leicht komprimiere. Hier setze ich auch auf parallele Kompression und schicke alle Drum Tracks noch in einen weiteren sehr hart komprimierten Bus, den ich dann dazu mische. Das Verhältnis dieser beiden Bus Spuren setze ich später im Gesamtkontext.

Alle Instrumente sind komprimiert, immer mit relativ hoher Attack Zeit, außer der Orgel – diese geht gleich relativ stark in den Kompressor.

EQing.

Dann ging ich daran, jedem Instrument einen Platz im Mix zu verpassen – mit dem Boosten von Frequenzen um die jeweilige Spur leiser machen zu können.

Busmix.

Wie gesagt haben die Drums und der Bass schon einen Platz in einen eigenen Bus gefunden und auch alle Instrumente schicke ich in einen gemeinsamen „Music“ Bus mit leichter Kompression. Hier habe ich auch nochmal einen Low cut eingesetzt, damit der Bass besser durchkommt.

Effects.

Ihr hört ein kurzes Stereo Slap Delay auf dem Bass, einen Plate-Reverb auf der Snare, einen Hall auf den Congas und auf der Orgel. Die Gitarre bekam ein 1/8 Stereo Echo das einen Plate-Reverb füttert, für das Intro und den Schluss. Sonst ist die Gitarre trocken. Den Vocoder hab ich mal links und rechts laufen lassen, außerdem geht er teilweise durch einen Octaver und das Delay der Melo wabert auch links/rechts. Alle Effekte route ich in den entsprechenden Bus, z.B. Snare plate in den Drums Bus, Bass slap in den Bass bus etc.

Masterbus und Automation.

Im Master Bus ist dann noch einmal ein Lowcut bei genau 32 Hz angesagt, sowie Kompression, EQ (leichte breite Anhebung bei jeweils 600 und 1,5 Khz). Dann in einen Stereoimager, sowie die Massey Tapehead-Medium Tape Simulation für ein bisschen Retro Zerre. Dieses Plugin macht ausserdem die höhen sehr weich und lässt den mix auch näher ans Ohr. Dann in den Limiter, der an den Spitzen so um die 2-3db einschlägt. Viele Spuren sind hauptsächlich aus dramaturgischen Gründen automatisiert (z.B. Congas, Gitarreneffekte). Den Masterbus habe ich auch automatisiert und lasse den Song bei -0.7db starten und erst beim Einsetzen des Themas geht alles auf 0db.

Fertig!

Weiterer Mix zu „Bring Back The Funk“

Wir freuen uns sehr über das so durchweg positive Feedback, dass wir von Euch über verschiedene Wege bekommen haben und arbeiten aktuell mit großem Elan an der dritten Episode, deren Fertigstellung wir kaum erwarten können!

Über gearslutz.com kontaktierte uns Andreas Leonhard Prick, der ein Tonstudio in Wassenberg betreibt und hauptsächlich mit analoger Technik arbeitet. Auf Nachfrage ob er sich an unserem Material mit seiner Technik versuchen könnte, stellten wir Ihm die Spuren der ersten beiden Episoden zur Verfügung. Freundlicherweise hat Andreas auch noch ein ausführlichen Infotext zu seiner Arbeitsweise verfasst, den Ihr hier nun auch nachlesen könnt. Viel Spaß mit seinem Mix zu „Bring Back The Funk“.

Bring Back The Funk
Audio:

Mixing:

Zu Beginn des Mixings stand das intensive “Hineinhören” in alle Einzelspuren und
in den Raw-Mix, um Feeling, Tempo, Ausdruck des Songs zu spüren.
In dieser Phase fallen die Entscheidungen für das weitere Vorgehen, was wie klingen soll, um es der eigenen klanglichen Vorstellung (oder bei Vorgaben des Künstlers natürlich dessen Vorstellungen ) entsprechend umzusetzen. Dabei meine ich mit “eigenen Vorstellungen” mein intuitives, musikalisches Empfinden/Reaktion, welcher Sound meiner Meinung nach den Song und die Emotionen die er transportieren soll am besten zur Geltung bringt.
Als ich die Einzelspuren hörte, war ich noch mehr vom Feeling dieses funkigen Songs beeindruckt, weil ich die wirklich klasse Performance aller Bandmitglieder hören und spüren konnte. Dieses lebendige und powervolle Feeling wollte ich im Mix möglichst unverfälscht nach vorne bringen. Dabei habe ich – wie meistens in meinen Mixen -ganz wenig Kompression eingesetzt. Ich arbeite viel mehr mit Lautstärken, EQ,
Faderautomationen und viel Headroom. Alle Transieten in den Originalaufnahmen, die die Lebendigkeit vor allem von percussiven Instrumenten ausmachen, lasse ich möglichst unangetastet.
Alle Instrumente wollte ich mit ihrem charakteristischen Klang im Mix zur Geltung bringen. Das ist ausschließlich – neben einem sauberen “Lautstärkemix” – nur durch einen sehr sensiblen und sauberen“Frequenzmix” möglich.
Nachdem alle Instrumente auch einzeln gut rauszuhören waren und der Mix ausgeglichen und stimmig klang, ging es an den Verlauf des Songs: Stimmungen, Stophe, Refrain, Schluß; somit um den “roten Faden” oder anders ausgedrückt um den “dramaturgischen” Faden. Ich finde wichtig und auch für einen gelungenen Mix entscheidend, dass während es Songs immer etwas “passiert”: Stimmungsveränderungen, Lautstärken, Soli.

Ich kann es vielleicht auch so zusammen fassen, auch wenn es vielleicht profan klingt:
Der Hörer sollte am Ende des Songs durch einen guten Mix das Gefühl haben: Ich weiß nicht warum, aber dass das klingt irgendwie cool, anders, besonders, ruft ein bestimmtes Feeling hervor und man “ertappt” sich dabei, dass man den Song immer und immer wieder hören möchte.
Solange ich auf der digitalen Ebene gearbeitet habe, setzte ich für die Mischung Nuendo ein. Ich schätze diese Software wegen ihrer sehr intuitiven Handhabung, die für mich einen sehr guten Workflow hat. Ich mag vielleicht zu einer “Minderheit” gehören, aber ProTools verwende ich nur, um mit allen angelieferten Produktionen kompatibel zu sein, aber nie zum Mixing.

Als Plug-ins verwende ich nahezu ausschließlich solche von Universal Audio. In diesem Mix habe ich als Reverb das EMT 250 auf verschiedenen Spuren eingesetzt. Als Kompression lediglich auf der Novation einen LA2A sowie auf der Kick den DBX 160. Auf der Summe nur ganz dezent (mit 1,5 bis 2 dB) den Neve 33609.
Als EQ “schwöre” ich der Bedienung und des analogen Klangs wegen auf den Harrison 32c.
Auf der E-Gitarre gefiel mir übrigens das vom Tempo getriggerte Panning sehr gut und ich setzte es ein.

Um von der digitalen Ebene auf die analoge zu gelangen setzte ich die RME Fireface 800 ein. Das nunmehr analoge Signal schickte ich durch das Telcom C4 Rauschunterdrückungssystem direkt in die Studer/Revox PR 99 MKIII Tonbandmaschine. Für diesen Mix habe ich das Tonbandmaterial RMG 911 eingesetzt bei einer Aussteuerung in den Peaks von +6dB.

Telcom C4 System

StuderRevox PR99MKIII

Ich liebe und schätze diese analoge Technik auch in dieser Kombination wegen ihres warmen und natürlichen Klangs und ganz spezieller Eigenschaften, durch die man diesen Klang erreichen kann, wenn man diese Technik bewusst und gezielt einsetzt.

Nur durch den Einsatz analoger Technik erreicht man allerdings noch keinen guten Mix. Aber ist der Mix gut oder sehr gut, kann man mit analoger Technik den Sound noch abrunden oder vielleicht “toppen. Deshalb versteht es sich von selber, dass diese sensible Technik einwandfrei justiert und eingemessen sein muß, um optimale Ergebnisse zu erzielen.
Ich mischte direkt in die Bandmaschine hinein, was bedeutet, dass ich die Abstimmungen in Nuendo vornehme, während ich die Hinterbandkontrolle der Bandmaschine abhöre. So kann ich die “Effekte” durch die analoge Technik, wie z.B.
“sanfte” Bandkompression und “weiche” Höhen optimal einsetzen und nutzen.
Verfechter der ausschließlich digitalen Tontechnik rümpfen jetzt die Nase; während die Anderen den einfach natürlicheren und schöneren Klang der Analogtechnik genießen…;)
Warum die analoge Technik immer noch klanglich die Nase vorne hat, ist ein interessantes Thema für sich……….
Viele Grüße aus Wassenberg
Euer Andreas Leonhard Prick
www.musicfirst-studio46.de