Weiterer Mix zu „Bring Back The Funk“

Wir freuen uns sehr über das so durchweg positive Feedback, dass wir von Euch über verschiedene Wege bekommen haben und arbeiten aktuell mit großem Elan an der dritten Episode, deren Fertigstellung wir kaum erwarten können!

Über gearslutz.com kontaktierte uns Andreas Leonhard Prick, der ein Tonstudio in Wassenberg betreibt und hauptsächlich mit analoger Technik arbeitet. Auf Nachfrage ob er sich an unserem Material mit seiner Technik versuchen könnte, stellten wir Ihm die Spuren der ersten beiden Episoden zur Verfügung. Freundlicherweise hat Andreas auch noch ein ausführlichen Infotext zu seiner Arbeitsweise verfasst, den Ihr hier nun auch nachlesen könnt. Viel Spaß mit seinem Mix zu „Bring Back The Funk“.

Bring Back The Funk
Audio:

Mixing:

Zu Beginn des Mixings stand das intensive “Hineinhören” in alle Einzelspuren und
in den Raw-Mix, um Feeling, Tempo, Ausdruck des Songs zu spüren.
In dieser Phase fallen die Entscheidungen für das weitere Vorgehen, was wie klingen soll, um es der eigenen klanglichen Vorstellung (oder bei Vorgaben des Künstlers natürlich dessen Vorstellungen ) entsprechend umzusetzen. Dabei meine ich mit “eigenen Vorstellungen” mein intuitives, musikalisches Empfinden/Reaktion, welcher Sound meiner Meinung nach den Song und die Emotionen die er transportieren soll am besten zur Geltung bringt.
Als ich die Einzelspuren hörte, war ich noch mehr vom Feeling dieses funkigen Songs beeindruckt, weil ich die wirklich klasse Performance aller Bandmitglieder hören und spüren konnte. Dieses lebendige und powervolle Feeling wollte ich im Mix möglichst unverfälscht nach vorne bringen. Dabei habe ich – wie meistens in meinen Mixen -ganz wenig Kompression eingesetzt. Ich arbeite viel mehr mit Lautstärken, EQ,
Faderautomationen und viel Headroom. Alle Transieten in den Originalaufnahmen, die die Lebendigkeit vor allem von percussiven Instrumenten ausmachen, lasse ich möglichst unangetastet.
Alle Instrumente wollte ich mit ihrem charakteristischen Klang im Mix zur Geltung bringen. Das ist ausschließlich – neben einem sauberen “Lautstärkemix” – nur durch einen sehr sensiblen und sauberen“Frequenzmix” möglich.
Nachdem alle Instrumente auch einzeln gut rauszuhören waren und der Mix ausgeglichen und stimmig klang, ging es an den Verlauf des Songs: Stimmungen, Stophe, Refrain, Schluß; somit um den “roten Faden” oder anders ausgedrückt um den “dramaturgischen” Faden. Ich finde wichtig und auch für einen gelungenen Mix entscheidend, dass während es Songs immer etwas “passiert”: Stimmungsveränderungen, Lautstärken, Soli.

Ich kann es vielleicht auch so zusammen fassen, auch wenn es vielleicht profan klingt:
Der Hörer sollte am Ende des Songs durch einen guten Mix das Gefühl haben: Ich weiß nicht warum, aber dass das klingt irgendwie cool, anders, besonders, ruft ein bestimmtes Feeling hervor und man “ertappt” sich dabei, dass man den Song immer und immer wieder hören möchte.
Solange ich auf der digitalen Ebene gearbeitet habe, setzte ich für die Mischung Nuendo ein. Ich schätze diese Software wegen ihrer sehr intuitiven Handhabung, die für mich einen sehr guten Workflow hat. Ich mag vielleicht zu einer “Minderheit” gehören, aber ProTools verwende ich nur, um mit allen angelieferten Produktionen kompatibel zu sein, aber nie zum Mixing.

Als Plug-ins verwende ich nahezu ausschließlich solche von Universal Audio. In diesem Mix habe ich als Reverb das EMT 250 auf verschiedenen Spuren eingesetzt. Als Kompression lediglich auf der Novation einen LA2A sowie auf der Kick den DBX 160. Auf der Summe nur ganz dezent (mit 1,5 bis 2 dB) den Neve 33609.
Als EQ “schwöre” ich der Bedienung und des analogen Klangs wegen auf den Harrison 32c.
Auf der E-Gitarre gefiel mir übrigens das vom Tempo getriggerte Panning sehr gut und ich setzte es ein.

Um von der digitalen Ebene auf die analoge zu gelangen setzte ich die RME Fireface 800 ein. Das nunmehr analoge Signal schickte ich durch das Telcom C4 Rauschunterdrückungssystem direkt in die Studer/Revox PR 99 MKIII Tonbandmaschine. Für diesen Mix habe ich das Tonbandmaterial RMG 911 eingesetzt bei einer Aussteuerung in den Peaks von +6dB.

Telcom C4 System

StuderRevox PR99MKIII

Ich liebe und schätze diese analoge Technik auch in dieser Kombination wegen ihres warmen und natürlichen Klangs und ganz spezieller Eigenschaften, durch die man diesen Klang erreichen kann, wenn man diese Technik bewusst und gezielt einsetzt.

Nur durch den Einsatz analoger Technik erreicht man allerdings noch keinen guten Mix. Aber ist der Mix gut oder sehr gut, kann man mit analoger Technik den Sound noch abrunden oder vielleicht “toppen. Deshalb versteht es sich von selber, dass diese sensible Technik einwandfrei justiert und eingemessen sein muß, um optimale Ergebnisse zu erzielen.
Ich mischte direkt in die Bandmaschine hinein, was bedeutet, dass ich die Abstimmungen in Nuendo vornehme, während ich die Hinterbandkontrolle der Bandmaschine abhöre. So kann ich die “Effekte” durch die analoge Technik, wie z.B.
“sanfte” Bandkompression und “weiche” Höhen optimal einsetzen und nutzen.
Verfechter der ausschließlich digitalen Tontechnik rümpfen jetzt die Nase; während die Anderen den einfach natürlicheren und schöneren Klang der Analogtechnik genießen…;)
Warum die analoge Technik immer noch klanglich die Nase vorne hat, ist ein interessantes Thema für sich……….
Viele Grüße aus Wassenberg
Euer Andreas Leonhard Prick
www.musicfirst-studio46.de

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